Weshalb ich ehrenamtlich bei der Tafel bin

Mein Ehrenamt bei der Tafel

Schon vor ein paar Jahren hatte ich die Idee, bei der *Tafel ehrenamtlich tätig zu werden. Doch mein damaliger Vollzeitjob ließ es zeitlich nicht zu. Die Öffnungszeiten der Tafel sind nachmittags, also verwarf ich den Gedanken wieder; bis Corona kam. Ein Artikel in der lokalen Tageszeitung erklärte, dass die Aktiven der Tafel Probleme haben, weil sie auf Grund ihres Alters größtenteils selbst zur Risikogruppe gehörten. Außerdem gab es die Ankündigung, dass eine weitere Außenstelle der Tafel in meinem Wohnort entstehen soll, wofür noch neue Mitarbeiter gesucht würden. Zu guter Letzt konnte ich es mir mittlerweile auf Grund meiner Selbständigkeit zeitlich gut einteilen und rief somit bei der Tafel an, um in der Essensausgabe eingearbeitet zu werden.

Interessant war für mich zu sehen, wer genau zur Tafel kommt, um sich dort Essen zu holen. Die Lebensmittel sind Spenden, vor allem von Supermärkten, die nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum sind oder die auf Grund eines Etikettenfehldrucks nicht mehr verkäuflich sind. Mir gefällt der Gedanke, dass die Lebensmittel nicht entsorgt werden, obwohl sie noch essbar sind,  sondern in Hände geraten, die die Lebensmittel noch gut gebrauchen können und die mit dem gesparten Geld andere Dinge kaufen können. Die Kunden der Tafel sind sehr unterschiedlich: Es sind Geringverdiener mit Kindern, Singlehaushalte oder auch Rentner. Manchmal werde ich emotional, wenn ich sehe, wie sich manch einer von ihnen über eine ganze Salami freut oder über eine Mango.

Vor allem bei den Leuten mit Kindern sehe ich zweimal nach, ob ich etwas Schönes im Regal habe, das ich der Person mitgeben kann. Ich selbst bin finanziell bescheiden aufgewachsen und kann mich noch gut daran erinnern, wie es bei uns Zuhause war, wenn vor allem gegen Ende des Monats jede Mark drei Mal umgedreht wurde oder Dinge des alltäglichen Gebrauchs gut eingeteilt wurden, damit wir diese nicht sobald neu kaufen müssen.

Es macht mich traurig, wenn ich höre, dass manche Leute meinen, zur Tafel würden Schmarotzer kommen und Menschen, die dem Staat nur auf der Tasche liegen. Jeder hat sein Schicksal und sein eigenes Päckchen zu tragen und vielen ist es extrem unangenehm, sich mehrere Stunden für Essen anzustehen und dabei auf der Straße auch noch von anderen erkannt zu werden. Es gibt ein paar Wenige, die bekommen den Hals tatsächlich nicht voll und haben hohe Ansprüche und wollen am Liebsten noch mehr an Lebensmitteln mitnehmen, als wir denen vorauswählen. Ich kann euch aber vergewissern, dass diese Leute gerade mal so um die 5 Prozent ausmachen.

Wer sich selbst mal ein Bild von der Tafel machen will, kann gerne mal zur Probe oder zum Zusehen vorbeikommen. Spenden oder auch eine (passive) Mitgliedschaft sind hier möglich: https://www.tafel-lohne.de/helfen-mitglied-werden

Fotos: Christoph Heinzel

Hier ein Interview von mir mit unserem 1. Vorsitzenden bei den Klubschnackern, inklusive einem Videoclip über die Arbeit der Tafel:

 

* "Jeden Tag werden etliche Tonnen Lebensmittel vernichtet, obwohl sie noch verzehrfähig sind. Gleichzeitig sind in Deutschland viele Menschen von Armut betroffen. Ein Missstand, dem wir mit unserer Arbeit etwas entgegensetzen:

Die über 950 Tafeln retten überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel und verteilen diese an Menschen, die in Not sind. Pro Jahr retten wir rund 265.000 Tonnen Lebensmittel, die wir an über 1,6 Millionen Menschen weitergeben. Ehrenamtlich, mit viel Herz und Spaß." Quelle: https://www.tafel.de/

 

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